News with the Tag „Magazin“

  • In der Märzausgabe 2015 des norwegischen "Costume" Magazins findet sich ein interessantes Interview mit Maria Mena. Unser Norwegen-Korrespondent hat dieses für euch mal ins deutsche übersetzt. Viel Spaß beim Lesen!

    Our English speaking visitors find this news/interview --> here.


    Die Kunst zu leben

    Unsicherheit befindet sich in uns allen - egal welchen Alters. Wir haben drei der erfolgreichsten Frauen Norwegens getroffen, die uns über Wendepunkte in ihrem Leben erzählen, die sie stärker und kluger gemacht haben. Oft muss man nur die richtige Balance finden.

    Maria Mena
    Maria Mena (29) hat früh ihr eigenes Talent angezweifelt und ließ die Erwartungen, die andere an sie hatten, ihre eigene Unsicherheit verstärken. Erst jetzt nimmt sie das Leben mit gelassener Ruhe.

    -Ich habe überhaupt kein Problem damit 30 zu werden, sagt Maria Mena, welche vor kurzem 29 geworden ist.
    Der Fakt, dass ihre Stimme so weich ist, dass man sie als beruhigendes Mittel einnehmen kann, macht es leicht ihr zu glauben.

    -Für mich ist es einfach so, dass ich schon einen Teil der Erfahrungen machen konnte, welche sich viele wünschen bevor sie 30 werden. Wie z. B. heiraten oder eine erfolgreiche Karriere haben. Ich habe immer zu hören bekommen, dass ich so tüchtig bin im Vergleich zu dem wie jung ich noch war, aber jetzt bin ich plötzlich nicht mehr so jung.
    Sie schließt den Laptop, welcher vor einigen Augenblicken die Reality-Serie "Real Housewives of Beverly Hills" abspielte und rührt in einem selbstgemachten Ingwer-Gebräu, welchem sie selbst ihre Wintergesundheit der letzten Jahre zuschreibt. Zur Zeit arbeitet sie an einer neuen Platte, der siebten seit ihrem Debütalbum "Another Phase", welches herauskam, als sie gerade einmal 16 Jahre alt war. Nun ist bereits ein Jahr vergangen, seit bekannt wurde, dass sie sich von ihrem Mann, dem Journalist Eivind Sæther nach zwei Jahren Ehe trennen wird.
    -Man kann sagen, dass ich etwas schneller gelebt habe als alle anderen. Es ist erst jetzt, dass ich fühle, dass meine gleichaltrigen Freunde und ich sich im Gleichgewicht befinden. Mir selbst ein Jahr jetzt oder weitere zu geben, in denen ich einfach die Erlaubnis habe ich zu sein, ist einfach toll, sagt sie und lächelt mit einem milden Feuer in den Augen.

    Das letzte Jahr hat sie begonnen "mindfulness" zu machen (eine meditative Art seine Gedanken zu ändern und somit Stress besser zu meistern -Anm. d. Redaktion-), etwas was ihr geholfen hat die Ruhe zu finden, in deren Besitz sie nun zu sein scheint.

    -Kannst du versuchen dich nicht so lila anzuhören?", lacht sie.
    -Ich bin so unglaublich fasziniert wie effektiv das gegen Angst ist. "Mildfulness" hat mich gelehrt, dass wenn ich die Weise wie ich denke nicht mag, ich dies einfach ändern kann, selbst wenn es harte Arbeit ist. Wenn ich es schaffe mit meinen Schwächen klarzukommen, sie zu analysieren und darüber zu schreiben, kann ich sie in eine Stärke verwandeln.
    -Irgendwie habe ich dies schon länger getan, denn ich glaube das Song schreiben meine Form von "mindfulness" ist. Zu schreiben bedeutet ja sehr, dass ich in mich hineinschaue um herauszufinden wie es mir geht. Nach und nach habe ich verstanden, dass meine Schreibblockaden eigentlich gar keine sind, sondern das Resultat davon, dass ich es nicht schaffe in mich hineinzusehen. Selbstentwicklung sollte aus den Schätzen geschrieben werden, sagt sie und lacht.
    Als sie jünger war, fühlte sie sich unter Jungs am wohlsten. Lange sah sie sich selbst mehr als ein Kumpel, statt von potenziellen romantischem Interesse und als sie anfing zu bemerken, dass sie damit falsch liegt, wurde sie unsicher warum dies so ist.
    -Ich war sehr groß, darum habe ich mich darauf ausgeruht, dass die Jungs mich nicht mögen. Es war nicht so, dass bevor ich an Gewicht verloren habe und anorektisch wurde, ich zu hören bekam, dass ich hübsch sei. Da bemerkte ich plötzlich, dass die Jungs anfingen mich anzusehen und das war wie eine Belohnung für etwas zu bekommen, was eigentlich negativ war.
    Weiterhin habe ich ein sehr ambivalentes Verhältnis zu Komplimenten, welche sich um mein Aussehen drehen, wahrscheinlich, weil ich dies mit etwas verbinde, was für mich unglaublich schwierig war. Die Jungs in die ich mich verliebe, sind Jungs die weiter gesehen haben.
    "Swipe right, swipe left"-Annäherung beim Dating ist daher nichts für Maria. Eigentlich hat sie mehr zu Hause gesessen seitdem sie wieder Single ist, ein Zivilstatus, den sie nicht mehr gehabt hat, seit sie 18 war, aber sie fühlt sich wohl damit.
    -Ich bin nicht so supergut darin raus in die Stadt zu gehen und zu flirten, weil ich keine physische Bestätigung brauche, dass ich hübsch bin. Aber das wird spannend zu sehen, ob ich anders denke, wenn die Falten kommen, ob ich es wirklich in mir habe zu versuchen dies dann zu stoppen. So wie es jetzt ist, habe ich das nicht, aber gleichzeitig weiß ich nicht ob ich dagegen bin mein Aussehen in Ordnung zu bringen.

    Welche Rolle spielt Kleidung, wenn es darum geht, wie du dich fühlst?
    -In den Jahren habe ich viel versucht herauszufinden wer ich bin und welchen Eindruck ich bei anderen Menschen hinterlassen will. Der komplette Stil, den ich jetzt habe, kam gleichzeitig mit meiner Sicherheit. Es zu schaffen, in Jeans und T-Shirt zur Tür raus zu gehen und nicht mehr so viel darüber nachzudenken, ist toll. Aber es muss eine gute Jeans und ein gutes T-Shirt sein. Sie lacht.
    -Oh Gott, ich habe mich so unkomfortabel in meinem Körper gefühlt! Eigentlich wollte ich in Bik Bok- und Miss Sixty-Hosen rumlaufen, so wie die anderen Mädchen in der Klasse, aber Bik Bok hatte nichts, was mir passte. Also entschied ich mich das komplette Gegenteil zu tun. Ich fing an mich wie ein Hippie zu kleiden, mit großen Mützen und Kleidern über den Hosen, als eine Art Protest.
    Auf dem Cover des Debütalbums lächelt sie nicht in die Kamera, mit einer schwarzen Mütze, die die Rastazöpfe gut verdecken. "Im Bezug auf das Alter ist dies eines der stärksten Debüts eines norwegischen Künstlers jemals", schrieb VG in der Kritik und gab 5 von 6 möglichen Würfelaugen. Trotzdem fing Maria an an sich zu zweifeln.
    -Ich glaube einer der Gründe warum ich im Bezug auf die Musik sehr mit meinem Selbstvertrauen zu arbeiten habe war, weil es zu schnell passierte. Fünfzehn Minuten nachdem ich die erste Demo eingespielt hatte, bekam ich einen Plattenvertrag. Einige sahen etwas in mir, was ich nur schwer in mir selbst sehen konnte.
    Sie vergleicht dies damit das weltbeste Mittagessen per Zufall zu machen und anschließend anzufangen verzweifelt nach dem Rezept zu suchen. Die Essstörung trug dazu bei eine Illusion der Kontrolle zu schaffen.
    -Am Anfang meiner Karriere war ich noch eine sehr nervöse Person, weil ich wusste, dass alle bereits einen voreingenommenen Eindruck von dem hatten, wer ich war. Das war so, als wenn ich alle davon überzeugen wollte mich zu mögen, anstatt einfach dort hinzugehen wo ich einbestellt wurde wegen eben dem der ich war. Meine Großmutter, die malte, sagte "Nur Amateure sind zufrieden" und das kenne ich - nur zu gut. Aber ich habe mir beigebracht, dass die Fehler, die ich sehe nicht immer das sind was andere sehen und darum ist es nicht notwendig auf ihnen herumzureiten.

    Auf welche Wahl, die du getroffen hast, bist du am meisten Stolz?
    Sie atmet tief ein.
    Als ich aus den USA nach Hause gekommen bin, nachdem ich in der "Late Show with David Letterman" aufgetreten war, bekam ich den Stempel aufgedrückt, dass ich nicht singen könne. Wir verkauften keine Tickets für Konzerte mehr vor allem aus diesem Grund, schätze ich. Darum wagte ich lieber dahin zu fahren, wo man mich haben wollte, was eben nicht in Norwegen war - und wurde lieber ein erfahrener Live-Artist im Ausland, das ist etwas auf das ich am meisten Stolz bin. Eigentlich will ich mich einfach hinstellen und alle anschreien, dass ich singen kann. Ich wurde verurteilt wegen eines schlechten Auftrittes bei dem ich falsch gesungen habe.
    -Auf eine persönlichere Weise ist die beste Wahl, die ich jemals getroffen habe, dass ich mich entschieden habe gesund zu bleiben. Das erforderte viel Arbeit. Wenn du große Dinge im Leben erlebst, ist es so, als würden die kleinen Dinge nichts mehr länger bedeuten. Ich weiß wie weh es tut das zu haben. Ich weiß wie schlimm sich Liebeskummer anfühlen kann. Ich weiß wie krank ich sein kann. Und dann ist es nicht mehr so wichtig was die eine oder andere Person über mich denkt. Mein Selbstwert kommt aus meinen Songs, dem Publikum und der Gewissheit, dass ich gut bin in dem was ich tue.

    Was hat es gebraucht um zu lernen auf dein Talent zu vertrauen?
    -Harte Arbeit. Ich habe eingesehen, dass wenn ich 70 Gigs im Jahr spiele meine Stimme besser wird. Ich singe reiner und werde sicherer auf der Bühne. Es ist sehr schön festzustellen, dass ich an einen Punkt gekommen bin, wo ich mich selbst gut fühle. Wenn es eine Sache gibt, die ich dem 16-jährigen Ich sagen würde, wäre das: "Halt durch, es wird besser. Tue genau das was du jetzt tust, aber bleib dabei - gib nicht auf."