• Soziale Pornografie

    Die 22-jährige Norwegerin Maria Mena liefert mit «Cause & Effect» ein kontroverses Album ab, in dem sie aus Sicht eines Scheidungskindes, das sie ist, hart mit ihren Eltern abrechnet. Ein Interview…

    David Kilchör


    Die neue Platte ist ziemlich kontrovers. Wie konnten Sie solch harte Songs gegen Ihre Familie schreiben?
    Maria Mena: Es war für mich etwas Natürliches. Ich habe festgestellt, dass verschiedene Menschen verschiedene Grenzen haben. Ich halte es für wichtig, dass die Songs gut geschrieben sind. Dann ist egal, was deren Inhalt ist.
    Ich könnte sowas nie schreiben…
    Was für Sie zu viel ist, muss nicht auch für mich zu viel sein. Ich weiss, dass wenige Künstler zuvor  so ehrlich gewesen sind. Aber der Prozentsatz jener, die meine Songs gut finden scheint höher zu sein, als jene, die sie nicht mögen. Ich bin wohl einfach Pionierin in dieser Richtung.
    Was waren denn die Reaktionen der Familie?
    Ich bin in einer Künstlerfamilie aufgewachsen. Die Kunst, sich auszudrücken, wird da vor die persönliche Sensibilität gestellt. Sie waren nicht verletzt.
    Ein Kritiker sagte, das Album sei «Social Pornography». Was meinen Sie dazu?
    Mein Schwiegervater hielt das für keine negative Kritik. Ich sehe es so: Wir sind eine Generation von Scheidungskindern. Eine Generation voller Wut. Es braucht dringend ein Ventil. Ich habe meines gefunden und liefere zugleich anderen Betroffenen eines.
    Sie wirken heute nicht zornig…
    Ich bin es auch nicht mehr. Für mich war wichtig, diese Phase in meinem Leben zu thematisieren, um sie endgültig abzuschliessen. Ich weiss auch, dass ich mit diesen Gefühlen nicht alleine bin. Es geht dabei nicht nur um die Scheidung, sondern um all die Spätfolgen davon. Sie werden dich bis ins Erwachsenenalter begleiten.
    Sie stürzten sich in die Magersucht.
    Viele Mädchen tun das. Es ist ihre eigene Entscheidung. Da sie keine Kontrolle über ihre Familie haben, suchen sie Kontrolle woanders. Das Essen ist ein einfacher Punkt, wo dies funktioniert. Es muss nicht immer dazu führen. Aber ich erzähle ja meine eigene Geschichte. Und in der ist es ein Thema.
    Sie haben Ihre harten Texte in liebliche Melodien gehüllt. Weshalb?
    Endlich fragt mich das mal einer. Ich tat es mit Absicht, da ich glaubte, der Inhalt wäre zu hart, um ihn musikalisch noch zu unterstreichen. Ein Amerikaner hätte das wohl getan. Die stehen auf Pathos. Ich finde, im Kontrast liegt die Stärke.
    Ist dieser Kontrast auch der Grund für Ihren Humor auf der Bühne?
    Ach was. Ich habe einen Fanclubleader in Deutschland, der alle meine Bewegungen analysiert und etwas hineinliest. Ist doch lächerlich. Ich bin einfach witzig. Das ist nicht einstudiert, sondern komplett spontan. So bin ich.
    «Cause & Effect» ist Ihr erstes Konzeptalbum. Werden Sie wieder so arbeiten?
    Ich liebe es, so zu arbeiten. Man gibt sich Grenzen im Songwriting, was alles schwieriger macht. So habe ich eine Herausforderung, ein Ziel. Ich habe schon eine Idee, in welche Richtung es beim nächsten Mal gehen soll…
    Ich höre…
    Ich hab’ zwar zwei Gläschen Champagner gehabt, aber das werd’ ich trotzdem nicht rausrücken.
    Schade… Passt Ihnen das neue Album auch aus Distanz noch?
    Besser als jedes zuvor. Ich höre es ohne Unterbruch…

    Original-Artikel: http://www.zo-online.ch/article10309/Extra/CD-Tipps/Soziale-Pornographie.htm

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